Mit Duftstoffen in Kosmetik wollen wir unsere Sinne verführen und Hautpflege zum Erlebnis machen. Für das Wohlgefühl.
Frauen benützen Parfüm, weil die Nase leichter zu verführen ist als das Auge (Jeanne Moreau).
Mit dieser Aussage hatte die französische Schauspielerin nicht ganz unrecht.
Aber was wenn ich dir sage, dass Duftstoffe und Parfüme in Hautpflege im schlimmsten Fall deiner Haut schaden können? Die Hintergründe erläutere ich dir jetzt ausführlich im Artikel.
Duftstoffe in Kosmetik und Hautpflege
„Parfum“, „Fragrance“, „Aroma“ oder „Flavour“: dies sind alles offizielle Bezeichnungen für Duftstoffe, welche du auf Kosmetikverpackungen finden kannst.
Hinter diesen unscheinbaren 4 Wörtern werden mehr als unglaubliche 3.000 (!) Einzelsubstanzen zusammengefasst. Parfümkomposition in einem Kosmetikprodukt enthalten wiederum 20-50, teilweise auch bis zu 200, unterschiedliche Stoffe.
Parfüm ist also nicht gleich Parfüm und die Zusammensetzung der einzelnen Inhaltsstoffe in Kosmetik ist damit völlig unklar.
Parfümfrei ist nicht gleich duftstofffrei
Die Aussage „parfümfrei“ ist für Kosmetikmarken verkaufsfördernd und somit sehr beliebt. Mit dieser Aussage werden Käufer allerdings nicht selten in die Irre geführt. Zu diesem Ergebnis kam auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).
Problematisch ist, dass trotz der Aussage „parfümfrei“ dennoch Duftstoffe in Kosmetik enthalten sein können. Denn sobald der Inhaltsstoff noch einen anderen Einsatzzweck als „parfümierend“ hat, darf dieser in seiner anderen Funktion aufgeführt werden. Im Umkehrschluss bedeutet das: es steht parfümfrei drauf, aber es ist vielleicht trotzdem „Parfüm“ drin.
Ein konkretes Beispiel: Farnesol ist ein blumiger, an Maiglöckchen erinnernder Duftstoff. Er zählt zu den deklarationspflichtigen Duftstoffen, muss also auf der Kosmetikverpackung immer unter seiner INCI-Bezeichnung „Farnesol“ angegeben werden. Und das ist so, weil er als potentes Allergen gilt. Neben der parfümierenden Wirkung wird Farnesol aber auch als Lösungsmittel eingesetzt – und das führt dazu, dass das Produkt mit „parfümfrei“ werben kann selbst wenn Farnesol enthalten ist. Farnesol muss zwar auf der Verpackung separat angegeben werden, aber wusstest du bist jetzt das Farnesol ein Duftstoff ist? Der normale Verbraucher weiß das nicht.
Eine Analyse vom BVL zeigte: jedes fünfte Produkt mit der Kennzeichnung „parfümfrei“ enthielt dennoch Duftstoffe. Und das kann vor allem für Allergiker ein Problem sein.
Als Verbraucher bleibt dir unter dieser Regelung nichts Anderes übrig, als die Inci-Liste auf jedem Produkt sorgfältig zu prüfen.
Duftstoffe als Auslöser von Kontaktallergien
Duftstoffe zählen nach Nickel zu den zweithäufigsten Auslösern von Kontaktallergien. Etwa jeder Fünfte reagiert mit Allergien oder Unverträglichkeiten auf Produkte mit Duftstoffen.
Besonders häufig kam es bei den folgenden 26 Duftstoffen zu allergischen Reaktionen, weshalb in einer Änderung der EU-Kosmetikrichtlinie 2003 beschlossen wurde, dass diese separat auf der Verpackung anzugeben sind.
Dazu zählen:
- Amyl cinnamal
- Anise alcohol
- Amylcinnamyl alcohol
- Benzyl benzoate
- Benzyl alcohol
- Benzyl cinnamate
- Benzyl salicylate
- Citronellol
- Cinnamyl alcohol
- Farnesol
- Cinnamal
- Hexyl cinnamal
- Citral Butylphenyl methylpropional
- Coumarin
- Limonene
- Eugenol
- Linalool
- Geraniol
- Methyl 2-octynoate
- Hydroxycitronellal
- Alpha-isomethyl ionone
- Hydroxyisohexyl 3-cyclohexene carboxaldehyde
- Evernia prunastri extract
- Isoeugenol
- Evernia furfuracea extract
Durch die neue EU-Kosmetikverordnung 2023/1545 wurde diese Liste inzwischen jedoch deutlich erweitert: Künftig müssen insgesamt über 80 Duftstoffe einzeln deklariert werden.
- Acetyl cedrene
- Amyl salicylate
- Benzyl cinnamate
- Butylphenyl methylpropional (Lilial – inzwischen verboten in der EU)
- Cinnamyl alcohol
- Citronellyl nitrile
- Cyclamen aldehyde
- Dimethyl phenethyl acetate
- Diphenyl oxide
- Ethyl linalool
- Ethyl 2,3-epoxy-3-phenylbutyrate
- Eugenyl acetate
- Geranyl acetate
- Hexyl salicylate
- Hydroxyisohexyl 3-cyclohexene carboxaldehyde
- Isoamyl salicylate
- Isocyclocitral
- Isoeugenyl acetate
- p-Menthan-7-ol
- Methyl cedryl ketone
- Methyl dihydrojasmonate
- Nerol
- p-tert-Butyl cyclohexyl acetate
- Rose ketones (z. B. Damascenone)
- Sandalore / ähnliche synthetische Sandelholznoten (je nach Definition in der Verordnung erfasst)
- Terpineol
- Trimethylbenzenepropanol
- Vanillin
- Veratraldehyde
Diese Stoffe müssen nur dann separat aufgeführt werden, wenn sie in den folgenden Konzentrationen im Produkt enthalten sind:
Es gibt noch andere bedenkliche Duftstoffe
Leider ist die Liste der deklarationspflichtigen Duftstoffe trotz Überarbeitung noch nicht „perfekt“. Es existieren weiterhin bedenkliche und potenziell allergene Duftstoffe, die sich in der Sammelbezeichnung „Parfum“ verstecken.
Schon 2012 hat das SCCS (Scientific Committee on Consumer Safety, ein wissenschaftlicher Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU-Kommission) daher eine Bewertung mit Empfehlungen ausgesprochen. Mit der neuen EU-Kosmetikverordnung wurde ein großer Teil, aber nicht alle Empfehlungen, zur Deklaration umgesetzt. Das Dokument findest du hier.
Andere "Nebenwirkungen" von Duftstoffen in Kosmetik
Hautreizungen
Nicht immer kommt es bei Duftstoffen zu einer offensichtlichen allergischen Reaktion mit Ausschlag oder Ekzem. Unverträglichkeiten können sich auf deiner Haut auch sehr leise und unbemerkt als gereizte Haut zeigen.
Ist deine Haut scheinbar grundlos empfindlich, gerötet, gereizt, schuppig oder auch unrein kann dies ein Zeichen für eine irritierte oder gereizte sein. In so einem Fall solltest du die Verwendung von Duftstoffen kritisch hinterfragen.
Achtung: Eine gestörte Hautbarriere, zum Beispiel durch eine zu aggressive Hautreinigung, erhöht die Durchlässigkeit der Haut. Das kann die Sensibilisierung der Haut mit Entwicklung von Allergien und Unverträglichkeiten durch Duftstoffe erhöhen.
Hyperpigmentierungen
Neben Allergien, Unverträglichkeiten und Hautreizungen können auch Pigmentstörungen eine Folge parfümierter Kosmetik sein. Besondere Vorsicht ist daher bei braunen Augenringen und Neigung zu postinflammatorischer Hyperpigmentierung gegeben.
Vor allem, weil bestimmte Duftstoffe zu einer Photosensibilisierung der Haut führen können. Das bedeutet: einer gesteigerten Lichtempfindlichkeit der Haut gegenüber Sonnenstrahlung. Daraus resultiert im schlimmsten Fall eine dauerhafte Hyperpigmentierung als Folge.
Besondere Vorsicht ist auch bei Sonnenschutzprodukten geboten. Einige Duftstoffe verändern sich chemisch unter Sonnenstrahlung und können phototoxisch wirken, was wiederum auch die Gefahr von Pigmentstörungen erhöht. Auf Duftstoffe in Sonnencremes solltest du meiner Meinung nach konsequent verzichten.
Sind natürliche Duftstoffe besser als synthetische?
Duftstoffe können sowohl natürlicher Herkunft sein als auch synthetisch nachbildet werden.
Natürlicherweise kommen Duftstoffe in Form ätherischer Öle vor. Da die meisten ätherischen Öle stark haut- und schleimhautreizend wirken, werden sie in Parfümkompositionen mit Alkoholen oder Wasser verdünnt. Die Herstellung natürlicher Duftstoffe ist recht aufwändig und teuer. Daher werden bereits viele Duftstoffe auf synthetischem Wege hergestellt. Konventionelle Parfümkompositionen sind fast immer Mischungen aus natürlichen und synthetischen Duftstoffen.
In Hautpflegeprodukten macht die Form, natürlich oder synthetisch, keinen Unterschied auf die hautreizende Wirkung. Die oben aufgeführte Liste der deklarationspflichtigen Duftstoffe verdeutlicht es: von den gelisteten Stoffen kommen nahezu die Hälfte natürlicherweise in ätherischen Ölen vor.
Ein besser oder schlechter gibt es in diesem Fall also nicht, da beide Formen für Hautpflege kontraproduktiv sind.
Zusammenfassung
Hautpflege soll vor allem eins – die Haut pflegen und positiv beeinflussen.
Da Duftstoffe potenziell reizen, zu Pigmentflecken führen oder Allergien und Unverträglichkeiten auslösen können, haben sie meiner Meinung nach in sinnvoller Hautpflege nichts verloren.
Sie dienen keinem anderen Zweck als dem „guten Gefühl“. Und darauf kannst auch du deiner Haut zuliebe sicherlich verzichten.
Natürlich ist Duft toll und er kann unsere Stimmung gezielt beeinflussen. Aber das erreichst du auch mit etwas Parfüm im Haar oder an Kleidung. So bist du zumindest für deine Hautpflege auf der sicheren Seite.

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